Racereport

Slot-Vergabe: „HAWAII?“ Bernhard Mackner: „Ein klar und deutliches JA!“ Montag, 29.7.2013, Zürich, 17 Grad und Regen: Die Slot-Vergabe zur Ironman Weltmeisterschaft in Hawaii – mein Name wird aufgerufen – als Antwort gibt’s von mir ein klar und deutliches „Ja“. Begonnen hat alles etwas mehr als 24 Stunden früher am Ufer des Züri Sees bei deutlich höheren Temperaturen. Um 7 Uhr wurden ca. 2500 Athleten ins Wasser gelassen und somit der 17. Ironman Zürich gestartet und ich mittendrin. Meine Zielsetzung war das Rennen so locker wie möglich anzugehen und erst beim Marathon meine Karten auf den Tisch zu legen. Das Schwimmen, das aufgrund der hohen Wassertemperatur ohne Neo ausgetragen wurde, war eines der härtesten, bei dem ich dabei war. Ein Ellbogen hier in den Rippen, ein Halten da an den Beinen. Ich hatte etwas Probleme meinen Rhythmus zu finden. So gut es ging versuchte ich mich freizuschwimmen und nahm den einen oder anderen Umweg in Kauf um locker schwimmen zu können. Am Landgang auf der Safa-Insel zeigte die Rennzeit 32 Minuten und weiter ging‘s auf die zweite Runde. Deutlich besser, aber immer noch mit häufigem Körperkontakt, kraulte ich den Rest der 3,8 km fertig. Nach 1:07 h wurde ich an Land gespült und sprintete in die Wechselzone. Am Fahrrad war mein Ziel, wie bereits erwähnt, einfach locker zu bleiben, einen guten Rhythmus zu finden, mich gut zu verpflegen und nicht zu überhitzen. Auf der flachen Passage rund um den See war ich ständig am überholen. Ein ganz anderes Gefühl als vor einem Jahr. Damals hatte ich den Eindruck ich fahre am Ende des Feldes. Die Anstiege versuchte ich vor allem in der ersten Runde mit ganz kleiner Übersetzung zu fahren. Bei km 65 war ich dann plötzlich komplett alleine unterwegs und ich sah weder vor noch hinter mir Mitstreiter. Nun folgte die Abfahrt zurück zum See, welche bei ca. 80 km/h eine willkommene Abkühlung bot. Dann ging‘s wieder entlang des Ufers zum Heartbreak Hill. Hier kam mir die Spitzengruppe entgegen. Am Heartbreak Hill folgte einer der schönsten Abschnitte des Ironman Zürichs. Die Menschenmassen feuern einen an und man muss sich sehr zusammenreißen um hier nicht mit dem Adrenalin im Blut zu überzocken. Meine Betreuer Nadine und Christian standen bei der Verpflegungsstation um mir eine Flasche zu übergeben. Diese bekam ich erst nach einer kurzen Sprinteinheit von Nadine, da ich meinem angepeilten Zeitplan bereits voraus war. Bei der Abfahrt holte ich einige Athleten ein und ich fuhr mit Abstand bis ca. Rennkilometer 120 mit der Gruppe mit. Die Hitze war zu diesem Zeitpunkt bereits sehr groß. An jeder Labestation gab’s eine Flasche Wasser über den Kopf und Körper. Beim längsten Anstieg der Radstrecke rief mir ein Zuschauer zu, dass ich auf dem vierzigsten Gesamtrang lag. Diese Info bescherte mir einen ordentlichen Adrenalinstoß. „Verdammt reiß dich zusammen! Das Rennen ist nach dem Marathon zu Ende.“ sagte ich zu mir selber. Gegen Ende der Radstrecke war geplant, dass ich von Manuel ebenfalls eine Flasche bekomme. Allerdings war auch hier das Problem, dass der Coach noch nicht mit mir gerechnet hatte. Nach einer kurzen Schrecksekunde (Manuel wäre fast in ein Auto gelaufen) bekam ich aber wie geplant meine Verpflegung. Gut versorgt ging es somit in Richtung T2. Beim zweiten Mal den Heartbreak Hill nach oben war die Hitze fast schon extrem. Die letzten fünf Kilometer nutzte ich um mich auf den Wechsel vorzubereiten und meine Beine nochmals zu lockern. Nach 4:59 h stellte ich mein Rad in der Wechselzone ab. Vor dem Wechsel tauchten in mir die Fragen auf, die jeder Triathlet kennt: „Bin ich zu schnell am Rad gefahren?“ „Wie soll ich den Marathon anlaufen?“ Ich beantwortete die Frage einfach mit dem Motto meines Rennens „Immer locker bleiben“. So lief ich die ersten Kilometer los und versuchte in meinen Rhythmus zu finden. Mein Bauch fühlte sich durch die vielen Gels und Getränke beim Loslaufen gar nicht gut an. Nach 2 km hatte ich mein Tempo gefunden und ich fühlte mich besser. Bei Kilometer 5 bekam ich von Christian eine Flasche und eine Salztablette. Durch die hohen Temperaturen hatte ich Probleme die Tablette zu schlucken. Was folgte war eine „Krise“, die etwa 4 km dauerte. Durch den Einbruch entschloss ich mich nur mehr Cola zu mir zu nehmen. Ab diesem Zeitpunkt folgte immer das gleiche Prozedere bei den Labestationen: Schwamm über den Kopf, Wasser ins Gesicht und so viel Cola wie ich kriegen konnte. Den Rest der Laufstrecke zusammengefasst: 2. Runde ok, 3. Runde hart, 4. Runde einfach „nur“ mehr ins Ziel laufen und genießen. Die letzten Kilometer waren wirklich sensationell. Ich konnte, lautstark angefeuert von Manuel, noch einen langegezogenen Zielsprint hinlegen. Als ich in den Zielkanal einlief, zeigte der Zielbogen 9:28 h und die Freude kannte keine Grenzen! Ich hatte mich selbst überrascht. Ich wusste zwar, dass mir Hitzerennen gut liegen, allerdings weiß man nie, was bei einem so langen Rennen passiert. Während des Rennens hatte ich um mich herum fast nichts wahrgenommen.  Ich hatte keine Ahnung, an wievielter Position ich ins Ziel gekommen bin. Ich wollte mich auch nur auf mein Rennen konzentrieren.  Umso mehr war ich im Ziel gespannt, ob jemand aus meiner Agegroup schneller war. Es sollte noch ca. 1,5 h dauern, bis ich per Telefon erfuhr, dass ich meine Altersklasse gewonnen hatte und 4. bester Amateur wurde. Am meisten überraschte mich jedoch der  16. Gesamtrang von ca. 2500 gestarteten Athleten. Siegerehrung2 So schließt sich nun der Kreis: Nachdem ich vor ca. 8 Jahren das erste Mal von Triathlon gehört hatte und sehr fasziniert war. Nach einem Bericht eines Teilnehmers des Ironman Austria, der bei seinem ersten Start das Hawaiiticket löste beschloss ich: „Ich will nach Hawaii“. Zuerst musste ich allerdings Schwimmen lernen. Den Schwimmkurs machte ich beim Team Wyss, welches mich seither tatkräftig unterstützt und mit dem ich unzählige Trainingsstunden verbrachte. Nach fünf Jahren und einigen Trainingskilometern sollte beim Ironman in Zürich nun alles zusammenpassen und ich sicherte mir mein Ticket nach Hawaii. Jetzt gilt es gut zu regenerieren und am 12. 10. 2013 auf Big Island nochmals alles „rauszuhauen“. Ich bin schon gespannt, ob mir die Hawaiianische Hitze genauso gut liegt wie die Schweizer Hitze. Herzlichen Dank an alle, die mich auf meiner „Road to Kona“ begleitet haben! Aloha!

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